Bd. I · Heft 03 · Mai 2026
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Markt · 15 min

Aramark, Sodexo, Compass, Käfer — die Strukturen des DACH-Catering-Marktes 2026

Vom Philadelphia-Automaten 1959 bis zur Wolto-for-Business-API — wie sich Contract Catering, Eventgastronomie und Plattform-Logistik verschränken.

Der DACH-Catering-Markt sei 2026 ein heterogenes Gebilde: Auf der einen Seite drei multinationale Contract-Caterer mit jeweils mehr als 400.000 Beschäftigten weltweit, auf der anderen Seite einige tausend mittelständische Eventcaterer, dazu spezialisierte Airline- und Bahn-Caterer und seit den 2020er Jahren eine wachsende Plattform-Schicht aus Wolto for Business, Lieferando for Work und vergleichbaren B2B-Lieferservices. Wer die Branche verstehen wolle, müsse die Gründungsgeschichten lesen.

Aramark: vom Vending-Automaten zur globalen Konzession

Die Aramark Corporation — heute mit Sitz in Philadelphia und 2024 mit einem Konzernumsatz von etwa 18 Milliarden US-Dollar — gehe auf das Jahr 1959 zurück. In jenem Jahr fusionierten der Vending-Operator Davre J. Davidson und das Automatic Retailers of America — beides Betreiber von Verkaufsautomaten an US-amerikanischen Industriestandorten. Aus der Vending-Wurzel entstand über fünf Jahrzehnte ein Konglomerat aus Betriebsverpflegung, Stadionkatering, Universitäts-Mensen und Justizvollzugsverpflegung.

In Deutschland operiere Aramark seit 1969 — zunächst über die Übernahme der Deutsche Aramark GmbH-Vorgängerin, später durch Akquisitionen im Bereich der industriellen Werksverpflegung. Heute betreibt Aramark Deutschland mehrere hundert Betriebsrestaurants und Kantinen, darunter Standorte großer Automobil- und Chemiekonzerne. Das Geschäftsmodell — Contract Catering — laufe über mehrjährige Konzessionsverträge: Der Kunde stelle Küche, Räume und ggf. Geräte; Aramark stelle Personal, Einkauf, Speisekarten-Konzept und Abrechnung.

Sodexo: vom Marseiller Mittagsdienst zur Service-Voucher-Bank

Die Sodexo S.A. — Gründungssitz Marseille, Konzernzentrale heute in Issy-les-Moulineaux südwestlich von Paris — wurde 1966 von Pierre Bellon (1930 bis 2022) gegründet. Bellon begann mit der Mittagsverpflegung der Schiffe im Hafen Marseille und der Mensen großer Krankenhäuser an der Côte d’Azur. Aus dieser Marseiller Gründung entstand der zweitgrößte Verpflegungsdienstleister der Welt mit über 420.000 Mitarbeitenden in 53 Ländern (Stand 2024).

Sodexo Deutschland — Sitz Rüsselsheim — sei seit 1973 aktiv. Die deutsche Niederlassung habe sich neben der klassischen Betriebsverpflegung früh in die Service Vouchers verzweigt: jene steuerlich begünstigten Essensgutscheine, die in vielen Konzernen monatlich an die Belegschaft ausgegeben werden. In Frankreich und Belgien werde die Sodexo-Pass-Karte als zweites Standbein neben dem operativen Catering geführt; in Deutschland sei sie das Sodexo Benefits Pass-System.

Compass Group: der britische Marktführer von 1941

Die Compass Group plc mit Sitz in Chertsey (Grafschaft Surrey) sei der größte der drei. Gegründet 1941 in London als Factory Canteens Limited — eine Kriegswirtschafts-Initiative zur Versorgung der britischen Rüstungsbetriebe — habe das Unternehmen seine heutige Form durch mehrere Fusionen und Übernahmen in den 1980er und 1990er Jahren gewonnen. Der Konzernumsatz lag 2024 bei rund 36 Milliarden britischen Pfund.

In Deutschland operiere Compass über die Compass Group Deutschland GmbH mit den Marken Eurest (Betriebsverpflegung), Medirest (Gesundheitswesen), Scolarest (Bildungseinrichtungen) und Restaurant Associates (gehobenes Eventcatering). Diese Markenfragmentierung sei typisch für die drei großen Contract-Caterer: Jeder Sektor — Industrie, Krankenhaus, Schule, Event, Sportstadion — werde unter eigenem Brand bedient, um die jeweilige Kundenstruktur passend anzusprechen.

Käfer München: die familiengeführte Konstante seit 1930

Während die drei Multinationals den Volumen-Markt dominieren, hat die DACH-Bankett-Welt eine eigene Hochburg: das Münchner Feinkost- und Cateringhaus Käfer. Gegründet 1930 von Paul Käfer (1900 bis 1980) als kleines Feinkostgeschäft in der Münchner Innenstadt, sei das Unternehmen heute in dritter Generation in Familienbesitz und steht für das gehobene Eventcatering im deutschsprachigen Raum.

Käfer betreibe das Catering für die Münchner Sicherheitskonferenz, das Bayerische Oktoberfest-Zelt Käfer Wiesn-Schänke und zahlreiche Staatsempfänge. Der Jahresumsatz wird in Branchenberichten auf etwa 200 Millionen Euro geschätzt — ein Bruchteil der drei Multinationals, aber das größte unabhängige Premium-Catering-Haus der DACH-Region.

Die Stärke des Familienunternehmens liege in der kuratorischen Konstanz. Was bei Käfer auf die Tafel komme, sei seit drei Generationen entlang einer bayerisch-internationalen Linie kuratiert, die kein börsennotierter Catering-Konzern in dieser Konsistenz reproduzieren könne.

Vergleichbare Größenordnungen finden sich in Berlin (Lehmann’s, ehemals Lehmann Gastronomie), in Wien (Gerstner Catering, das auf die k.u.k. Hoflieferanten-Tradition seit 1847 zurückgehe) und in Zürich (Gustav-Catering, ein in den 2010er Jahren aus der Hiltl-Gruppe entstandener Spin-off).

Airline-Catering: LSG Sky Chefs und die globale Bordverpflegung

Eine eigene Subspezies des Caterings sei die Airline-Bordverpflegung. Marktführer in DACH ist die LSG Sky Chefs, hervorgegangen 1942 als United States Catering Service und ab 1966 mehrheitlich von der Deutschen Lufthansa AG übernommen. LSG produziere täglich mehrere Hunderttausend Bordmahlzeiten in über 200 Küchen weltweit, davon mehrere große Produktionsstätten in Frankfurt, München, Zürich und Wien.

Die Catering-Linie der Bordverpflegung sei methodisch eng verwandt mit dem Cook-Chill und Cook-Freeze der Bankett-Gastronomie — produziert werde unter strengen HACCP-Auflagen, mit Datenloggern in jeder Charge, mit lückenloser Rückverfolgbarkeit bis auf die Lieferanten-Charge des Geflügels. Die Schnittstellen zwischen Airline-Catering und gehobenem Event-Catering seien in der Personalbiografie deutlich: Viele leitende Cook-Chill-Spezialisten der DACH-Bankett-Welt haben mehrere Jahre in den LSG-Frankfurt-Küchen begonnen.

Bahn-Catering: vom Mitropa-Speisewagen zur DB Gastronomie

In Deutschland werde die Speisewagen- und ICE-Bordversorgung der Deutschen Bahn durch die DB Gastronomie GmbH erbracht — eine Konzerntochter, die 2006 aus der Mitropa-Tradition hervorging. Die Mitropa — gegründet 1916 als Mitteleuropäische Schlafwagen- und Speisewagen-AG — habe bis Anfang der 2000er Jahre die Reichsbahn- und Bundesbahn-Bordgastronomie betrieben, bevor das Unternehmen aufgelöst und die operativen Funktionen in die DB Gastronomie überführt wurden.

In Österreich operiere die ÖBB Postbus-Tochter Henry am Zug (Markenname seit 2010) die Speisewagen der Railjet-Verbindungen. In der Schweiz übernehme die SBB Elvetino AG (vormals SBB Speisewagenbetrieb) die Versorgung in InterCity- und EuroCity-Zügen.

Die Plattform-Schicht: Wolto und Lieferando for Business

Eine vierte, jüngere Marktschicht entsteht seit Mitte der 2020er Jahre an der Schnittstelle zwischen Delivery-Plattformen und betrieblichem Catering. Wolto for Business — die B2B-Variante des skandinavisch-deutschen Lieferdienstes Wolto, hervorgegangen aus dem finnischen Original 2014 — vermittle Catering- und Einzelmahlzeiten-Bestellungen an Unternehmen. Lieferando for Work, eine Funktion der Just-Eat-Takeaway-Tochter Lieferando, biete vergleichbare Funktionalitäten.

Diese Plattformen verdrängen die klassischen Contract-Caterer im Volumen-Geschäft nicht, sondern bedienen einen anderen Bedarf: das tägliche Team-Lunch im Tech-Startup ohne eigene Kantine, das Pitch-Day-Catering in der Beratungsfirma, die kurzfristig gebuchte Workshop-Verpflegung. Die typische Bestellwertspanne liege bei 8 bis 25 Euro pro Person und Mahlzeit, mit Auslieferung in 30 bis 75 Minuten.

Für die mittelständischen DACH-Eventcaterer eröffne diese Plattform-Schicht ein zweites Vertriebsfenster — gleichzeitig eine Margenfalle, weil Plattformprovisionen von 15 bis 30 Prozent auf den Bruttobestellwert die Kalkulation eines klassischen Bankett-Geschäfts nicht abbilden lassen.

Konsolidierung und Aufspaltung

Der DACH-Catering-Markt habe in den letzten fünf Jahren zwei gegenläufige Bewegungen gleichzeitig gezeigt. Auf der Konsolidierungsseite habe sich die Marktposition der drei Volumen-Player weiter verfestigt: Aramark, Sodexo und Compass hielten in Deutschland gemeinsam einen Marktanteil im Betriebsverpflegungs-Segment, der je nach Erhebungsmethode zwischen 35 und 45 Prozent geschätzt werde. Übernahmen mittlerer Regional-Caterer durch die drei Großen seien in der Branchenpresse regelmäßig zu lesen.

Auf der Aufspaltungsseite hingegen wachse das Segment der spezialisierten Boutique-Caterer. Anbieter, die sich auf veganen Sektor, auf regionale Bio-Küche, auf Tech-Startup-Lunches oder auf konfessionelle Verpflegung (koscher, halal) spezialisieren, finden Nischen, die für die Volumen-Konzerne unattraktiv seien. Diese Boutique-Schicht sei für die Bankett-Welt 2026 ein wichtiger Innovations-Treiber: Was als Spezialangebot beginne, werde nach zwei bis drei Jahren als Standard-Option in den Speisekarten der Großen erwartet.

Personalstrukturen und Berufsbild

Die Beschäftigungsstrukturen im DACH-Catering-Markt seien 2026 von zwei strukturellen Spannungen geprägt. Erstens dem Fachkräftemangel im Service- und Kochbereich, der seit 2022 in DEHOGA-Mitgliederbefragungen als zentrales Branchenproblem benannt werde. Zweitens der hohen Teilzeit- und Saisonarbeit-Quote: Im klassischen Eventcatering arbeiten je nach Erhebung 50 bis 70 Prozent der Servicekräfte auf Stundenbasis oder mit kurzfristigen Arbeitsverträgen.

Die Reaktionen der Unternehmen darauf seien unterschiedlich. Die multinationalen Catering-Konzerne investieren in eigene Aus- und Weiterbildungsprogramme — Aramark unterhalte in Deutschland eine eigene Akademie für Betriebsverpflegung; Sodexo arbeite eng mit Berufsschulen der KV-Gastronomie zusammen. Die Premium-Familienunternehmen wie Käfer betonen die Übernahmequote ihrer Auszubildenden als Differenzierungsmerkmal. Die Plattform-Anbieter wie Wolto und Lieferando seien hingegen kaum in der direkten Personal-Bindung aktiv; sie vermitteln zwischen Catering-Produzenten und Endkunden, übernehmen aber selbst keine Service- oder Küchenarbeit.

Was die Marktstruktur dem Auge zeigt

Der DACH-Catering-Markt habe 2026 keine schlanke Pyramide mehr — er sei ein Geflecht aus vier Schichten: die drei multinationalen Volumen-Player im Industriegeschäft; die premium-fokussierten Familienunternehmen im gehobenen Event-Sektor; die spezialisierten Airline- und Bahn-Caterer; die digitalen Plattformen im neuen B2B-Lunch-Segment.

Marktforscher der DEHOGA-nahen Strukturberichte beziffern das DACH-Catering-Gesamtvolumen 2024 auf etwa 18 bis 22 Milliarden Euro Jahresumsatz — eine Schätzung mit erheblicher Spannweite, weil die Definitions-Grenzen zwischen klassischer Gastronomie, Catering, Convenience und betrieblicher Verpflegung methodisch umstritten seien. Eines lasse sich gleichwohl sagen: Der Markt sei seit 2020 jährlich gewachsen, getrieben sowohl von der Erholung des Event-Geschäfts nach der Pandemie als auch von der wachsenden Outsourcing-Quote betrieblicher Verpflegung.

Wer in diesem Markt arbeite, navigiere zwischen vier unterschiedlichen Logiken: der Konzession (Aramark, Sodexo, Compass), dem Markenkapital (Käfer, Gerstner, Lehmann’s), der industriellen Logistik (LSG, DB Gastronomie) und der Plattform-Skalierung (Wolto, Lieferando). Welche dieser Logiken eine Veranstaltung 2026 trage, entscheide oft im Briefing-Gespräch — und selten am Buffet.

Eine Beobachtung am Rande: Die vier Logiken seien strukturell so unterschiedlich, dass sie kaum in denselben Kalkulationsraster passten. Ein Tagessatz bei Aramark werde auf Basis von Verzehrpauschalen und Konzessionsverträgen errechnet, ein Käfer-Bankett auf Basis kuratorischer Premium-Margen, eine LSG-Bordmahlzeit auf Basis einer Charge-Logistik mit zentnerweise vorgegebenen Stückkosten, ein Wolto-Lunch auf Basis einer Plattform-Provision. Wer als Bankett-Disponent oder Eventmanager 2026 ein Angebot vergleiche, vergleiche letztlich vier verschiedene Geschäftsmodelle, die nur durch das gemeinsame Wort Catering zusammengefasst werden. Die Markttransparenz, die sich daraus ergebe, sei begrenzt — und die Auswahl-Kriterien verschieben sich von der Preisspalte auf die Frage, welche dieser Logiken zu welcher Veranstaltung am besten passe.


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